01/2007 geWollt in kraut&rüben

Die Naturzeitschrift Kraut & Rüben brachte in der Ausgabe Januar 2007 einen prima Artikel über unsere Arbeit.

 

Hier nochmals die Texte aus der Zeitschrift::

VON ROSENRINGEN UND FILZSCHWEINEN
Eine Moosrose erblüht zart am Ringfinger – ein Gärtnerttraum? Mitnichten: „Sie duftet zwar nicht, ist dafür betörend lange haltbar,” lacht Tina Schneider-Prüeß, eine der drei Filzkünstlerinnen von „geWollt”. Beschwingt breitet die zweifache Mutter und Berufsschullehrerin ihre Rosen-Ringsammlung aus: hier eine zartrosa Hundsrose, dort gefüllte Bourbon-, Remontant- oder einfache Gallicarosen – die Wahl fällt schwer. Neben diesen Ringen, die nicht nur Gärtnern sofort ins Auge stechen, fertigt das Trio viele Unikate aus leuchtend bunter Merinowolle: Ob Schmuck wie Ketten, Broschen, Arm- oder Haarbänder, Kleidung wie Schals und Röcke, Tierfiguren, Wohnaccessoires und vieles mehr – die Kunstwerke sind stets farbenfroh, die Ideen vieler Formen entstammen der Natur.

VOM HOBBY ZUM BERUF
Neben der Agraringenieurin und Berufsschullehrerin Prüeß stehen die langjährigen Freundinnen Annette Winterstein und Ulrike Schneider als Geschäftspartnerinnen. Die Idee, sich mit ihrem gemeinsamen Hobby selbstständig zu machen, entstand heim Kaffeeklatsch und gemeinsamen Filzen im Garten. lm Sommer 2003 wagten sie den gemeinsamen Sprung in die Selbstständigkeit, nachdem sie sich drei Jahre ihrem Faible für das schöpferische Arbeiten gewidmet und ihre Technik stets verbessert hatten. Über die Anfänge erzählt Prüeß: „Wir zogen wie bunt verkleidete Handlungsreisende umher und hatten Mordsspaß.” Die Motivation war hoch, das Hobby machte Freude, denn: „Das Arbeiten mit Filz ist eine ganz besondere Begegnung mit einem Material, das sehr viele Möglichkeiten offen hält und zulässt. Unsere Objekte sollen beim Betrachter Assoziationen wie Lebendigkeit, Leichtigkeit, Frische und Natürlichkeit hervorrufen.” Heute filzen die drei in einem zentral gelegenen Atelier in Karlsruhe, in dem auch Kurse und Vernissagen stattfinden und in dem ihre wollenen Produkte für Besucher zu bestaunen sind.

INSPIRATION DANK WOLLE
Dabei ist vor allem die quirlige Tina Schneider-Prüeß für den kreativen Part zuständig, während Ulrike Schneider sich der Akquisition wie dem Internetauftritt verschrieben hat, und die Filzkünstlerin und Malerin Annette Winterstein immer dann zur Stelle ist, wenn es darum geht, kreative Ideen in größerer Stückzahl umzusetzen. „Umgeben von leuchtend bunter Wolle, kommen die Ideen ganz von allein,” schmunzelt die Berufsschullehrerin und fügt hinzu: „lm Moment sind es Wohnaccessoires wie Tischläufer, Untersetzer und Kissen, die uns begeistern. Daneben haben kleine Filzsäckchen es mir angetan, die ich zu Sparschweinen forme. Sie sind ideal, um sich Kleingeld, das bei uns und unseren Kindern sehr häufig offen herumliegt, einzuverleiben.” Außerdem gelingt es dem starken Trio immer nieder, neue Ideen rund um die Festtage zu entwickeln. Sie setzen sie um und bieten ihre Produkte in verschiedenen Läden der Umgebung an, aber auch immer häufiger überregional. „Vor allem Museumsläden wie in Düsseldorf, Essen und Leverkusen nehmen unsere Werke gerne auf. Da wir das Filzen bis heute eher nebenher betreiben, können wir leider nicht alle sich bietenden Möglichkeiten voll ausschöpfen und Ideen verfolgen,” bedauert Tina Schneider-Prüeß seufzend. Sie lebte ihre handwerkliche Ader bereits in ihrer Kindheit beim Nähen, Stricken und Töpfern mit Hingabe aus. Sie kann sich jedoch auch durchaus ein ruhiges, schöpferisches Leben auf einer einsamen Schaffarm irgendwo in Neuseeland vorstellen.

Katharina Bodenstein

WISSENSWERTES
Vermutlich filzten bereits unsere Vorfahren aus der Steinzeit. Wissenschaftler vermuten, dass diese Technik lange vor dem Weben bekannt war, denn zum Filzen benötigt man nur heißes Wasser und Wolle, die mit der Hand ständig bearbeitet wird. Seife ist zwar nützlich, jedoch nicht unbedingt erforderlich, zumal sie einst ohnehin ein begehrter Luxusartikel war. Heutzutage kennen viele das Filzen als eher unfreiwillige, leidvolle Erfahrung: Ein zu heiß gewaschenes Kleidungsstück aus Wolle schrumpft, wird hart, die Faser verfilzt und ist danach bestenfalls noch zum Anziehen kleiner Kinder oder Puppen zu gebrauchen. Filzen funktioniert durch Wasser, Wärme, Bewegung und Seife. Im Seifenwasser quellen die Wollfasern auf und die oberste Schuppenschicht spreizt sich ab. Durch das Filzen verbinden sich diese Schuppen eng miteinander, ein fester Stoff entsteht. Verschiedene Schafrassen liefern verschiedene Wollqualitäten: Während die meisten am liebsten mit der Wolle des Merinoschafes filzen, weil sie weich und sehr fein ist, ziehen manche zum Beispiel die raue und robuste Wolle des Bergschafes vor: Aus ihr entstehen stabile Produkte wie Taschen, Sitzkissen oder gar Schuhe.

GRUNDTECHNIK FÜR ANFÄNGER
Wollvliese nach Schablone oder nach Gewichtsangaben zurechtlegen.

Die einzelnen Vliesfarben festnadeln.

Filzen: Mit Hilfe von warmem Wasser und Seife die Wolle einreiben, rubbeln und massieren. Das sogenannte Walken erfolgt über eine geriffelte Fläche wie ein Waschbrett, eine Noppenfolie oder eine Holzrolle. Dabei sollten Sie das Filzwerk mit Druck kräftig bearbeiten, meist mit weniger Seifenwasser, wobei Glas Werkstück noch einmal schrumpft.

Das Werkstück nun gründlich ausspülen.

Einlegen in eine Essigwasserlösung (1 1 warmes Wasser mit 3-4 EL Branntweinessig mischen). Damit sich die Fasern des Werkstückes glätten und die Seife neutralisiert wird. Trocknen an einem warmen Ort, in der Sonne, auf der Heizung oder der Fensterbank.

BLÜTEN FILZEN FÜR GEÜBTE
Materialliste: Vlieswolle in mehreren Farben (hier: pink, weiß, gelb und schwarz), Filznadel (im Fachgeschäft) und Schere. Altes Waschbrett; Olivenseife, warmes Wasser und Noppenfolie als Unterlage. Das etwa 0,5 cm dicke Wollvlies in Pink oder Rot zu einem Kreis von etwa 6 cm Durchmesser auslegen. Darüber die weiße und gelbe Wolle als Herzstück auflegen. Dann den schwarzen Ring an den gelben Kreis legen. Mit der Filznadel das Ganze trocken annadeln.
Leichtes Verfilzen: Die Blüte mit Seifenwasser befeuchten und das Wasser leicht ausdrücken. Nun das Werkstück mit eingeseiften Händen leicht verreiben.
Dann den Blütenring wieder ins Seifenwasser tauchen und das Wasser leicht ausdrücken. Anschließend gilt es, so lange weiter zu filzen, bis die Blüten fest werden. Die Blütenblätter einschneiden. Verfilzen der Anschnittflächen (Blütenblätter). Stärkeres Reiben und Zusammendrücken der Blüte in den Handinnenflächen. Dann Das Objekt walken, das heißt ohne Seife fest reiben. Nach dem Walken mit klarem, warmen Wasser gründlich ausspülen. Die Blütenblätter mit den Fingern ausformen und zum Trocknen an einen warmen Ort legen.

WOLLMÄUSE UND MOTTEN ABWEHREN
Kleine Wollmäuse zeigen sich vor allem auf der Rückseite von Taschen, unter den Armen von Westen und gerne auch auf Sitzkissen: Kleine Wollknötchen, die durch Reibung der Stoffoberfläche entstehen. Ob mit der Fusselfräse, dem Bartschneider oder ganz einfach mit einer kleinen Handarbeitsschere – mit wenigen Handgriffen entfernen Sie dieses „Ungeziefer” mühelos. Verzichten sollten Sie jedoch unbedingt aufs Fussel abzupfen: Sie ziehen dadurch nur lose Haare aus dem Stoff, neue Wollmäuse vermehren sich umso flinker!

Die Filztasche haben auch die Motten zu ihrem Lieblingsstück erkoren? Dann hilft zuverlässig das Einfrieren im Tiefkühlfach oder Sie lagern das Filzgut an Frosttagen draußen. Auf diese Weise sind sie die Plage leicht los. Vorbeugend hilft auch Neem-Öl, das Sie alle paar Wochen auffrischen. Vorbeugend hilfreich ist es, den Filz regelmäßig frischer Luft auszusetzen.

Eine Antwort hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.